3 Fragen an...

29.08.2025 Redaktion Kloster Dalheim

Eva Beyerstedt mit Schwester Caterina und Schwester Judith aus der Benediktinerinnenabtei vom heiligen Kreuz aus Herstelle. Foto: LWL

Seit dem Jahr 2019 gehört Eva Beyerstedt zum Team der Stiftung Kloster Dalheim und organisiert federführend den Dalheimer Klostermarkt. Ob Aussteller, Infrastruktur oder Verpflegung - sie hat alles im Blick. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen und besonderen Erlebnissen.

Was schätzen Besucherinnen und Besucher deiner Erfahrung nach am meisten am Klostermarkt?

In einer digitalen und in weiten Teilen kommerzialisierten Welt schätzen viele Besucherinnen und Besucher vor allem die Einfachheit – hier zählt Herz statt Kommerz. Die nachhaltigen und meist von Hand hergestellten Produkte sind einzigartig und werden teilweise schon seit Jahren immer wieder hier auf dem Markt gekauft. Auch die Begegnungen mit den Ordensleuten und das Eintauchen in eine Welt, die vielen sonst verborgen bleibt, machen den Markt zu etwas Unverwechselbarem. Hinzu kommt die besondere Stimmung: die Atmosphäre im Kloster Dalheim, das abwechslungsreiche Rahmenprogramm – all das schafft ein Erlebnis, das weit über einen gewöhnlichen Marktbesuch hinausgeht.

In jedem Jahr unterstützen viele Helferinnen und Helfer die Vorbereitungen des Klostermarktes. Foto: LWL / Dana Giebken

Welche besonderen logistischen Herausforderungen bringt die Veranstaltung mit sich?

Der Klostermarkt ist die größte eigene Veranstaltung auf dem Gelände des Klosters Dalheim – inzwischen präsentieren sich fast 50 Aussteller in über 40 Hütten, dazu an mehr als 60 Ständen und in zahlreichen Pavillons. Allein die Organisation dieser Infrastruktur bedeutet viel Aufwand: von Tischen, Bänken oder Spülmöglichkeiten über die Beachtung der unterschiedlichen Vorschriften bis hin zur Frage, wo all das Material während des Jahres auf dem Gelände gelagert wird. Dazu kommt die Feinabstimmung des Rahmenprogramms: Wer gestaltet wann eine Führung, das Kinderprogramm oder einen Gottesdienst und findet das in der Kirche, im Garten oder an einem anderen Ort statt? Parallel dazu gilt es, die Aufgaben eines mehr als 50-köpfigen Teams klar zu strukturieren. All diese Puzzleteile zusammenzufügen kostet viele Stunden – es ist aber wichtig, damit der Markt reibungslos ablaufen kann.

Gibt es besonders berührende oder überraschende Begegnungen, an die du dich erinnerst?

Im Prinzip ist jede Begegnung eine ganz besondere: Ich bin immer wieder beeindruckt davon, wie sehr viele Ordensleute im Reinen mit sich selbst leben und mit welch tiefem Gottvertrauen sie durchs Leben gehen. Was mich aber auch überrascht, ist, wie wenig wir über das Leben hinter den Klostermauern wissen.
Ich erinnere mich an einen meiner ersten Besuche bei einer Schwester in ihrem Kloster. Ganz unvermittelt erzählte sie mir, dass sie regelmäßig joggen geht – ich war völlig verwundert, weil ich mir das Ordensleben sehr streng und strukturiert vorgestellt hatte. Besonders berührt hat mich das erste Taizé-Gebet im Jahr 2022, das die Brüder aus Taizé selbst gehalten haben. Oder das Treffen mit Sr. Irmgardis aus Bestwig, die mit über 80 Jahren noch immer extra für den Klostermarkt – als Erlös für die Mission – unzählige Gläser Marmelade, Säfte und vieles mehr zubereitet. Alles in allem bin ich sehr dankbar für die vielen prägenden Begegnungen mit den Ordensleuten – sowohl während des Marktes als auch während des Jahres in Telefonaten oder bei meinen Besuchen vor Ort.

 

Beim Klostermarkt geht es nicht nur um die Begegnung von Marktgästen und Ordensleuten, ebenso bedeutend ist die Zusammenkunft der unterschiedlichen Ordensgemeinschaften in Dalheim. Dieser Besonderheit möchten wir daher eine Zusatzfrage widmen: 

Auf dem Klostermarkt 2024 kamen Ordensleute aus Österreich, Tschechien, Polen, Frankreich und der gesamten benachbarten Region zusammen. Foto: LWL / Kloppenburg

Welche Bedeutung hat der Klostermarkt für die Ordensgemeinschaften selbst?

Für viele Ordensgemeinschaften ist der Klostermarkt in Dalheim mehr als nur ein Verkaufsort – es ist eine Art Familientreffen. Die Ordensleute genießen den Austausch miteinander und freuen sich, die Besucherinnen und Besucher persönlich kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Auch der wirtschaftliche Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden. Denn nur wenige Ordensleute verkaufen über einen Onlineshop oder in einem Klosterladen. Viele Produkte werden eigens für den Dalheimer Markt hergestellt. Die große Bedeutung zeigt sich zudem in der großen Anzahl der Aussteller, die seit vielen Jahren nach Dalheim kommen. Dabei vergrößert sich unsere Ausstellergemeinschaft stetig. Allein in den vergangenen zwei Jahren haben wir über zehn neue Aussteller hinzugewinnen können.